Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Wilhlem Hülsdonk, Jahrespressekonferenz 2010

Meine Damen und Herren,

als Vizepräsident und Bundesinnungsmeister möchte ich Ihnen kurz die Bilanz des Service- und Werkstattgeschäfts in 2009 erläutern und auf Zukunftsthemen des Kfz-Gewerbes eingehen.

Dies geschieht getreu dem Motto: „Die Werkstatt ist im Kfz-Gewerbe zwar nicht alles, doch ohne Werkstatt ist alles nichts!“

Entgegen aller Unkenrufe gab es trotz Umweltprämie keinen Einbruch im Servicegeschäft. Im Gegenteil: Die Auslastung der Werkstätten hat sich 2009 gegenüber dem Vorjahr sogar um 2,5 Prozent verbessert. Denn viele der zwei Millionen Altautobesitzer, die 2009 ihren Wagen verschrottet haben, waren nicht Kunden einer Werkstatt, sondern haben vorher selbst geschraubt oder durch den „Bekannten um die Ecke“ schrauben lassen. Und offenbar gab es genug Fahrzeuge mit einem Alter bis neun Jahren, die in die Werkstatt mussten.

Blickt man auf die aktuellen Bestandszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes, so hat sich die Gesamtzahl der in Deutschland registrierten Pkw/Kombi zum Stichtag 1. Januar 2010 um ein Prozent auf 41,7 Millionen Fahrzeuge erhöht. Rechnet man Krafträder, Omnibusse, Lkw, Zugmaschinen und übrige Kraftfahrzeuge hinzu, gibt es in unserem Land ein Servicepotenzial von 50,2 Millionen Fahrzeugen – umgerechnet auf unsere 38.300 Kfz-Meisterbetriebe wären das theoretisch über 1.300 Fahrzeuge pro Betrieb, für die Serviceleistungen zu erbringen sind. Daran ändert auch nichts, dass das Durchschnittsalter der Pkw im vergangenen Jahr durch die Verjüngung des Fahrzeugbestands im Rahmen der Umweltprämie von 8,2 auf 8,1 Jahre gesunken ist.

Natürlich muss man hier die Tatsache berücksichtigen, dass junge Fahrzeuge besonders in den ersten zwei bis drei Jahren die Werkstatt meist nur bei den vorgeschriebenen Serviceintervallen sehen. Aber auch die saisonbedingten Aktionen – Reifenwechsel, Klimaservice, Licht-Test, ja selbst Rückrufaktionen – geben dem Kfz-Meisterbetrieb die Chance des Kundenkontakts und zusätzlicher Geschäfte.

Denn, wie Herr Rademacher bereits sagte, die Rendite in Werkstatt und Autohaus wird überwiegend im Service erwirtschaftet. Da hat das Jahr 2009 keine Ausnahme gemacht. Die Umsatzzahlen bestätigen den Trend, den die Quote der Werkstattauslastung bereits angedeutet hat: Im Geschäftsfeld Service stiegen die Umsätze moderat um 0,3 Prozent auf 28,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahr 2008. Da waren es 28,01 Milliarden Euro gewesen. Dass die Kunden mit den Werkstattleistungen in der Regel sehr zufrieden sind, bestätigten die Ergebnisse des „Kundenmonitors 2009“, der auf der repräsentativen Befragung von nahezu 30.000 deutschen Verbrauchern basiert. Sie vergaben die Note 1,93, das heißt "vollkommen zufrieden", und das brachte den Werkstätten Platz 2 unter den Dienstleistern und eine Notenverbesserung von 0,13 Punkten gegenüber dem Vorjahr.

Dies sind erfreuliche Zahlen, doch wir dürfen uns nicht täuschen lassen: auch im Servicegeschäft schwinden die Renditen. Das liegt auch an Servicepaketen und Flatrates, die inzwischen als Verkaufsinstrument die „Rabattitis“ beim Neuwagenverkauf in die Werkstatt verlagern – damit wird am stärksten Ast im Kfz-Gewerbe gesägt, und es ist auf Dauer ungesund für unsere Branche, den Vertrieb durch die Servicesparte mit Quersubventionen zu stützen.

Bezogen auf die zukünftigen Herausforderungen für Werkstatt und Service stehen wir an der Schwelle des neuen Zeitalters der Elektromobilität. Noch ist dies ein kleines Pflänzchen, das aber in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Doch schon heute ist das Thema „alternative Antriebe“ für unsere Betriebe ja nicht neu – seien es gasgetriebene Fahrzeuge, Autos mit Brennstoffzellen oder Hybridantrieb.

Aktuell weist der Fahrzeugbestand in Deutschland zum 1. Januar 2010 einen Anteil von 1,1 Prozent der 41,7 Millionen Pkw/Kombi mit alternativen Antrieben aus, das sind 458.700 Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr hielten sich die Autofahrer beim Kauf dieser Fahrzeuge etwas zurück, denn es wurden mit insgesamt 29.775 Einheiten 8,7 Prozent weniger Autos mit alternativen Antrieben verkauft als in 2008.

Die Zahlen zeigen: Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sind bereits auf der Straße, darunter auch Hybridfahrzeuge, bei denen Wartung und Service höchste Anforderungen an unsere Kfz-Mechatroniker stellen. Doch darauf sind wir im Kfz-Gewerbe gut vorbereitet. Gemeinsam mit Herstellern, Importeuren und Berufsgenossenschaft hat das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe ein spezielles Weiterbildungsprogramm für die Wartung und Reparatur so genannter Hochvoltfahrzeuge entwickelt. Die zweitägigen Seminare werden von der Akademie Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, der TAK, durchgeführt. Dabei geht es unter anderem darum, Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenautomobile spannungsfrei zu schalten, die Spannungsfreiheit auch zu überprüfen und ein versehentliches Wiedereinschalten zu verhindern. Denn nur so ist ein gefahrloses Arbeiten an den Fahrzeugen zu gewährleisten. Damit setzen wir ein Zeichen für die Zukunft: Ganz gleich wie die Fahrzeuge angetrieben werden, der Kfz-Meisterbetrieb ist und bleibt der kompetente Servicepartner des Autofahrers.

Dies gilt natürlich auch für die Abgasuntersuchung AU, die ja seit dem 1. Januar 2010 ein Teil der Hauptuntersuchung ist. Für die Autofahrer hat es zur Verwirrung geführt, dass nun keine sechseckige AU-Prüfplakette mehr auf das vordere Nummernschild geklebt wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass die AU verschwindet. Stattdessen ist sie jetzt an die Hauptuntersuchung HU gekoppelt und darf frühestens im Monat vor der HU durchgeführt werden. Zeit und Kosten können Autofahrer sparen, wenn sie die HU auch gleich in einem Meisterbetrieb der Kfz-Innung in Auftrag geben, in dem die AU durchgeführt wird. Das ist auch sinnvoll, denn dort lassen sich eventuelle Mängel gleich beheben. Die AU wird mit Siegel und Zangenprägung im HU-Nachweis dokumentiert. Der Autofahrer erhält nur noch eine Plakette: nämlich die HU-Plakette für das hintere Kennzeichen, die die Durchführung beider Prüfungen belegt.

Soweit, meine Damen und Herren, meine Ausführungen. Ich übergebe nun das Wort an den Präsidenten unseres Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Ernst-Robert Nouvertné, der Ihnen einen kurzen Bericht zur Lage des Kfz-Gewerbes im größten deutschen Bundesland geben wird.

 

 
Letzte Änderung: 01.03.2010
 
 

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 Wilhelm Hülsdonk
Vizepräsident